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Pädagogik

Lernen im beweglichen Klassenzimmer – Klasse 1 und 2

Die Kinder von heute wachsen in einer Welt auf, die von einer Fülle an Eindrücken, Bildern und technischen Möglichkeiten geprägt ist. Gleichzeitig bringen sie ein natürliches Bedürfnis nach Bewegung, Tätigkeit und unmittelbarer Welterfahrung mit. Diese Entwicklungsimpulse aufzugreifen und ihnen Raum zu geben, ist eine wichtige Aufgabe der ersten Schuljahre.Das junge Schulkind erobert  die Welt zunächst nicht durch abstraktes Denken. Seine Erkenntniskräfte sind noch eng mit den Kräften des Leibes verbunden. Das Kind lernt, indem es handelt, sich bewegt, erlebt und nachahmt. Die Entwicklung des Denkens gründet auf einer gesunden Ausbildung des Willens. Deshalb braucht das Kind in den ersten Schuljahren vielfältige Möglichkeiten, seinen Körper tätig zu erleben und sich in der Welt zu orientieren.

Das bewegliche Klassenzimmer trägt diesen Entwicklungsbedingungen Rechnung. Statt Tischen und Stühlen stehen den Kindern Bänke und dicke Sitzkissen zur Verfügung. Die Kinder erleben einen Unterricht, der von rhythmischem Wechsel geprägt ist. Sie gehen, springen, balancieren, bewegen sich im Raum, bilden Formen, arbeiten einzeln, zu zweit oder in der Gemeinschaft. Das Lernen wird dabei mit Bewegung, Sprache, Rhythmus und Handlung verbunden, denn schnell sind die Bänkchen und Kissen neu angeordnet und unterstützen so vielfältige Lernerfahrungen.

Buchstaben werden nicht nur betrachtet, sondern mit dem ganzen Körper erlebt. Zahlen werden gegangen, geklatscht oder geworfen. Sprachliche und mathematische Inhalte werden durch rhythmische Übungen, Bewegungsspiele und gemeinsames Tun vertieft. So können die Lerninhalte zunächst im Willen und in der Tätigkeit Wurzeln schlagen, bevor sie allmählich in das bewusste Denken übergehen.

Aus anthroposophischer Sicht entwickelt das Kind in den ersten Lebensjahren insbesondere seine leiblichen Fähigkeiten. Rudolf Steiner beschreibt diese Zeit als eine Phase, in der das Lernen vor allem durch Nachahmung, Bewegung und sinnliche Erfahrung geschieht. Der Unterricht greift diese Entwicklungsbedürfnisse auf und ermöglicht den Kindern, Lerninhalte zunächst handelnd und erlebend zu erfassen, bevor sie diese zunehmend gedanklich durchdringen.

Besonders die rhythmische Gestaltung des Unterrichts spielt dabei eine wichtige Rolle. Wiederkehrende Bewegungsformen, Verse, Lieder und gemeinsame Übungen geben den Kindern Sicherheit und Orientierung. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe unterstützt eine gesunde Entwicklung der Lebenskräfte und fördert das Wohlbefinden.

Das bewegliche Klassenzimmer dient dabei nicht allein der körperlichen Bewegung. Es schafft einen pädagogischen Raum, in dem sich die Kinder mit ihrem ganzen Wesen angesprochen fühlen. Die Bewegung hilft ihnen, sich im eigenen Leib zu beheimaten, ihre Aufmerksamkeit zu sammeln und eine tragfähige Beziehung zur umgebenden Welt aufzubauen.

Im gemeinsamen Bewegen und Arbeiten entstehen darüber hinaus wertvolle soziale Erfahrungen. Die Kinder lernen aufeinander Rücksicht zu nehmen, gemeinsame Rhythmen zu finden und sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben. Dadurch werden nicht nur die Grundlagen des schulischen Lernens gelegt, sondern auch Fähigkeiten entwickelt, die für das spätere Leben von großer Bedeutung sind.

So versteht sich das bewegliche Klassenzimmer als eine zeitgemäße Antwort auf die Bedürfnisse der Kinder von heute und zugleich als eine konsequente Umsetzung waldorfpädagogischer Menschenkunde: Lernen geschieht mit Kopf, Herz und Hand – und beginnt in der Bewegung.

 

Zum Eurythmieunterricht in der Unterstufe

Eurythmie (griechisch: schöner Rhythmus) ist eine Bewegungskunst, die die Gesetzmäßigkeiten der Musik und der Sprache, deren Stimmungsnuancen und Farbigkeit als unmittelbare Ausdrucksform des Menschen in die Sichtbarkeit bringen möchte. 
Eurythmie wurde vorerst als Bühnenkunst präsentiert und dann als sozialkünstlerisches Fach der ersten Waldorfschule 1919 in den Lehrplan bis zur Klasse 12 aufgenommen.
Die Eurythmie in der Pädagogik hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Eurythmie hilft ihnen körperliche Geschicklichkeit und seelische Beweglichkeit, Selbstbewusstsein und soziale Verantwortlichkeit für ihr Handeln u.a. zu entwickeln. Durch den Eurythmieunterricht werden nuancierte soziale Fähigkeiten angesprochen und im feinen Miteinander geübt. Gelingen Kindern und Jugendlichen im gemeinsamen prozesshaften Arbeiten sprachliche oder musikalische Aufgaben, so erleben sie sich selbstwirksam und gestärkt.
Je nach Klassenstufe variieren die Inhalte des Eurythmieunterrichts dem Alter der Kinder/Jugendlichen entsprechend.
In der 1.Klasse begegnen die Kinder der Märchenwelt mit ihren wundersamen Wesen und lernen sich in vielfältigen Verwandlungen zu bewegen. Alle Bewegungen gehen noch nachahmend vom Kreis aus und das musikalische Element der Quinte unterstützt das bildhafte Geschehen.
In der 2. Klasse werden die Lautgebärden schon deutlicher ausgebildet. Die Tierwelt mit ihren charakteristischen Bewegungen bilden den Mittelpunkt des Tuns. Nun kommen auch kleine musikalische oder sprachliche Aufgaben zu zweit an das Kind heran. Die musikalische Stimmung bleibt weiterhin die Quinte.
Fleißig wird in der 3. Klasse an den Lautgebärden weiter geübt und auch das Musikalische wird nun in kleinen Stücken in einfachen Formen selbstständig geübt. Die große Terz und die kleine Terz bekommen für das Kind im Hin-und Herschwingen zwischen Innen- und Außenwelt eine Bedeutung. Es werden nun auch schon einfache geometrische Formen innerhalb des Unterrichtsgeschehens gestaltet.
In der 4.Klasse verlassen die Kinder den schützenden Kreis und stellen sich der Welt frontal entgegen. Nachdem in den ersten drei Schuljahren die Vokale noch Vorrang hatten, sind es nun die Konsonanten, die in Gedichten, Sprüchen und besonders in Verbindung mit der nordischen Alliteration geübt werden. Für die Toneurythmie können die Kinder ihre Fähigkeiten an vielen Musikstücken ausbilden. Anfänglich werden Tonleitern, wie z. B. die C-Dur-Tonleiter geübt.
In der 5. Klasse wird versucht in Verbindung mit dem Hauptunterricht in die Seelenstimmung der alten Kulturen einzutauchen. Der griechische Hexameter und andere Rhythmen werden nun exakt erarbeitet. Den Fünfstern durch die Bewegung im Raum sichtbar werden zu lassen, hat eine ordnende und belebende Wirkung auf die Fünftklässler.
Ab der 6.Klasse kommen Übungen mit dem Kupferstab hinzu, um der nun langsam beginnenden Schwere ein formendes Gegengewicht zu bieten. Das Üben von geometrischen Formen und Formverschiebungen soll das Kind in seiner Willenstätigkeit sowie in seiner Raumorientierung stärken und schützen. In der Toneurythmie lernen die Schüler*innen neben Takt und Rhythmus auch die Tonskalen und Intervallgebärden kennen. Geschicklichkeitsübungen durchziehen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden alle Klassen der Unterstufe. 

 

Handarbeit

Die Waldorfschule schenkt dem Handarbeiten und Werken einen hohen Stellenwert, da sie den Kindern die Möglichkeit geben, ihre künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten zu entfalten.
Indem die Schülerinnen und Schüler mit ihren eigenen Händen arbeiten und gestalten, können sie ihre schöpferische Kraft und ihre Individualität zum Ausdruck bringen.
Dieser künstlerische Prozess ist eng mit dem ganzheitlichen Ansatz der Waldorfpädagogik verbunden, der darauf abzielt, die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte gleichermassen zu entwickeln.  
Darüber hinaus ermöglichen Handarbeiten und Werken den Schülerinnen und Schülern, ihre Sinne zu schulen und ein Gefühl für Materialien und Formen zu entwickeln.

Dies fördert nicht nur ihre feinmotorischen Fähigkeiten, sondern auch ihre Konzentration, Kreativität und Ausdauer. Durch die praktische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien und Techniken lernen die Kinder, Probleme zu lösen und ihre Vorstellungskraft zu entwickeln.  
Auch im Hinblick auf die sozialen und emotionalen Aspekte des Lernens spielen Handarbeiten und Werken eine wichtige Rolle.
In Gemeinschaftsprojekten lernen die Schülerinnen und Schüler, zusammenzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Ideen und Fähigkeiten mit anderen zu teilen.
Insgesamt kann gesagt werden, dass die Handarbeiten und das Werken an der Waldorfschule nicht nur als praktische Tätigkeiten betrachtet werden, sondern als Ausdruck einer ganzheitlichen und künstlerischen Bildung, die die Kinder auf ihrem individuellen Entwicklungsweg unterstützt.

Allgemeiner Lehrplan

Hier finden Sie einen allgemeinen Lehrplan an Waldorfschulen in schematischer Form.

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